Unter dem Begriff "Totholz" werden alle Arten von totem Holz, also feinste Zweige, Äste,
Wurzeln, Stämme bis hin zu vollständigen Bäumen zusammengefasst. Totholz bildet, ähnlich wie Inseln,
Kolke, Uferabbrüche, Flachwasserzonen, Innen- und Außenkurvenbereiche, ein wichtiges natürliches
Strukturelement mitteleuropäischer Flüsse und ihrer Auen.
In natürlichen Auwäldern reguliert sich das Aufkommen von vitalen Gehölzbeständen und von Totholz auf natürliche
Weise durch Alterung und Naturverjüngung. Beides ist für die Ausbildung einer
flusstypischen Gewässerdynamik und der daraus
entstehenden Lebenräume von besonderer Bedeutung
Totholz wird von vielen Tierarten genutzt
Totholz wird während seines Aufenthaltes im Wasser von Bakterien,
Kleintieren und Säugetieren als Nahrung, Besiedlungssubstrat und Versteckraum genutzt. Aquatische Kleintiere
wie Eintags-, Stein- und Köcherfliegenlarven, Strudelwürmer und Schnecken besiedeln das Holz, das sich unter
natürlichen Bedingungen im Gewässerbett sammelt.
Zum Teil weiden diese Tierarten den Algen- und Bakterienfilm auf der festen Unterlage ab oder erbeuten andere
Kleintiere, die sich auf dem
Totholz
angesiedelt haben. Bachforellen
sind beispielsweise auf Verstecke und Unterstände, die z.T. aus im Wasser liegendem Holz bestehen,
angewiesen.
Das Totholz gelangt vor allem aus gewässerbegleitenden Holzsäumen, durch Alterung, Ufererosion aber auch
Wind- und Schneebruch ins Gewässer. Dort wo Biber vorkommen, können auch sie aktiv zur Strukturbildung unter
Verwendung von Totholz beitragen.
Fischotter
bringen gerne ihre Jungen in Kesseln zur Welt, die sie unter
Baumstümpfen und Wurzeln anlegen.
Totholz verursacht Strömungs- und Lebensraumvielfalt
Darüber hinaus kann Totholz als relativ festes Strukturelement zu einer für die Kleintiere bedeutsamen
Strömungsvielfalt beitragen, so dass verschieden stark durchflossene Lebensräume auf der Gewässersohle
entstehen. Von besonderer Bedeutung sind in Fließgewässern die strömungsberuhigten Zonen im Uferbereich, die
Aufwuchsräume für Jungfische und Amphibien darstellen. Äste und Zweige können Blätter und feinste organische
Partikel zurückhalten, von denen sich viele Kleintiere wie beispielsweise Flohkrebse, Wasserasseln und
Eintagsfliegenlarven ernähren. Totholz in Fließgewässern bewirkt in der Regel ein Strömungs- und
Substratmosaik, das eine größere Artenvielfalt aufweist als geradlinige Gewässer ohne diese Elemente.
In neuester Zeit wird Totholz aber nicht nur als wichtiges Strukturelement in den
Fließgewässern diskutiert, sondern auch als Bestandteil von Revitalisierungsplanungen. Wird Totholz mit
Bedacht sowie in der richtigen Menge und Zusammensetzung in ein Gewässer eingebracht, kann eine gewisse
Abflussverzögerung erreicht und damit der Einbau von Steinen vermieden werden.
Es fehlen fließgewässerbegleitende Wälder
Die Waldstruktur wurde massiv durch die Nutzung des Menschen verändert.
So kommen heute kaum noch sehr alte und abgestorbene Bäume in unseren Wäldern vor. In historischer Zeit
entstand viel Totholz durch großräumige Windwürfe, Hangrutschungen, Überflutungen, Uferabbrüche,
Laufverlagerungen und Waldbrände. Diese Ereignisse treten in unserer Kulturlandschaft heute kaum noch auf.
Wenn Äste oder Baumstämme in den Gewässern landen, werden sie sehr schnell von den
Unterhaltungspflichtigen
entfernt. Das hat vor allem zwei Gründe. Zum
einen kann zuviel Totholz dazu führen, dass es den schadlosen Wasserabfluss behindert und bei
Starkregenereignissen Überschwemmungen auftreten. Zum anderen können Totholzteile, je nach ihrer Größe,
Wasserbauwerke, Dränagen und Rohrleitungen beschädigen, wenn sie mit der Strömung verfrachtet werden.
In zunehmenden Maße müssen aber auch die Unterhaltungspflichtigen den ökologischen Zustand des Gewässers bei
allen Arbeiten berücksichtigen und fördern. Deshalb sollte zukünftig Zonen in den Gewässern ausgewiesen
werden, in denen zunächst kleine Ansammlungen von Totholz geduldet werden. Durch ständiges Beobachten können
mögliche Gefahren schnell erkannt und es kann sofortige Abhilfe geschaffen werden. Wo keine Gefahren zu
befürchten sind, führt Totholz zu einer Anreicherung der Lebensraumstrukturen und damit langfristig zu einer
höheren Organismenvielfalt. Je nach Art des Fließgewässers und der Rahmenbedingungen können teure
Revitalisierungsmaßnahmen auf diese Art vermieden werden. |