|
|
Wem nützt die biologische Durchgängigkeit? |
Fließgewässer sind keine statischen sondern in ihrer natürlichen
Ausprägung hochdynamische Lebensräume mit einer an diese Lebensbedingungen angepassten Tier- und
Pflanzengemeinschaft. Der Wechsel der Wasserstände und die Strömung sind die bestimmenden Faktoren für das
Leben in unseren Bächen und Flüssen. Natürlicherweise ergibt sich von der Quelle bis zur Mündung ein
durchgehender Lebensraum ohne Querbauwerke. Eine wichtige Ausnahme bildet natürlich der Biber, der durch seine
Bautätigkeit in der Lage ist, Fließgewässer aufzustauen und in eine Seenlandschaft zu verwandeln.
In natürlichen Auwäldern reguliert sich das Aufkommen von vitalen Gehölzbeständen und von
Totholz auf natürliche Weise durch Alterung und
Naturverjüngung. Beides ist für die Ausbildung einer
flusstypischen Gewässerdynamik und der daraus
entstehenden Lebenräume von besonderer Bedeutung.
Fische und aquatische Kleintiere führen Wanderungen aus
Für Fische und die aquatischen Kleintiere sind die Fließgewässer zumindest über weite Teile des Jahres
stromauf und stromab passierbar. Sie können ungehindert zwischen Teillebensräumen wechseln, Laichgebiete
aufsuchen, Winterquartiere nutzen, neue Nahrungsgebiete erschließen, Lebensräume besiedeln und zu einem
genetischen Austausch beitragen. Am bekanntesten sind wohl die Laichwanderungen der Lachse und der Aale.
Weniger bekannt ist, dass auch die aquatischen Kleintiere wie Bachflohkrebse,
Eintags-, Stein- und Köcherfliegenlarven u.a. kurze Wanderungen auf der Bachsohle entgegen der Strömung
unternehmen. Die meisten Arten sind durch einen besonders flachen Körperbau oder Haftorgane wie Saugnäpfe und
Krallen besonders an die Strömung in Fließgewässern angepasst.
Querbauwerke verändern den Lebensraum Fließgewässer
Werden Fließgewässer durch Querbauwerke aufgestaut und im Wasserstand
reguliert, ergibt sich zunächst eine Unterbrechung des Strömungs-Kontinuums. Durch den Rückstau entstehen
vollkommen veränderte Strömungs- und Sedimentverhältnisse. Im Oberlauf sammelt sich Schlamm an und der
Wasserkörper erwärmt sich viel stärker. Dadurch können Algenblüten entstehen und es kommt zu extremen
Sauerstoffschwankungen. Der Grundwasserstand wird künstlich angehoben. Im Unterlauf ist das Gewässerbett meist
viel stärker eingeschnitten und ein Absinken des Grundwasserspiegels in der
Aue ist die Folge.
Querbauwerke und Stauanlagen zerschneiden den Lebensraum Fließgewässer und verhindern je nach Bauart den
natürlichen Austausch von Fischen und Kleintieren. Beispielsweise werden Wanderungen des Lachses und der
Bachforelle in die kiesreichen Oberläufe durch Wehre verhindert. Damit geht ein meist unwiederbringlicher
Lebensraumverlust einher, der für bestimmte Arten bis zur Ausrottung führen kann.
Lösungsmöglichkeiten
Abhilfe kann entweder der Abriss des Querbauwerkes oder seine Entschärfung schaffen.
Beim Abriss ist zu beachten, dass der Grundwasserstand möglicherweise seit vielen
Jahrzehnten durch das Querbauwerk stabilisiert wurden und andere Bauwerke von diesem abhängig sind. Eleganter
sind häufig Laufverlängerungen des Fließgewässers, um das Hindernis herum (Umfluter). Bei der Umsetzung von
Umflutern sollte auf die richtige Anordnung im Fließgewässer, die Lockströmung, die Größe, das Gefälle, die
richtige Strömungsgeschwindigkeit und das verwendete Substrat besonderes Augenmerk gelegt werden.
Der Umbau von Sohltreppen und Sohlschwellen in passierbare Sohlgleiten
kann eine gute Möglichkeit sein, die Durchgängigkeit für Fische und Kleintiere wieder herzustellen. Nur in
Ausnahmefällen, wenn z.B. nur wenig Platz zur Verfügung steht, sollte auf technisch geprägte Bauwerke wie
Fischtreppen, Fischpässe, Fisch-Aufzüge und Denilpässe zurückgegriffen werden. Diese baulichen Veränderungen
des Fließgewässers bedürfen einer wasserrechtlichen Genehmigung und erfordern einen hohen Planungsaufwand, der
in der Regel nicht von den Bachpaten allein erbracht werden kann. Zur Umsetzung sollte eine Arbeitsgruppe mit
den Unterhaltungspflichtigen sowie der Naturschutz- und Wasserbehörde gebildet werden. |
|